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Herrin im eigenen Haus - meine AhnInnen



„Herrin im eigenen Haus“

 

heißt ein Buch von Julia Onken.

 

Auf der Suche nach einem anderen Buch habe ich es wieder gefunden. Es passt auch zu dem Thema über das ich schreiben möchte. Julia Onken ist eine schweizerische Psychologin, die überwiegend über Männer - und Frauenthemen geschrieben hat. In diesem geht es kurz gesagt um das Selbstbewusstsein von Frauen und wie sie es untergraben. Es geht auch um Frauenfeindlichkeit in den eigenen Reihen. Und wie immer schreibt Julia Onken transparent, soll heissen: in allen Büchern webt sie  persönliche Geschichten  mit ein. Oft mit herzerfrischendem Humor.

 

„Das eigene der Frau“ von Dagmar Müller aus dem Verlag Freies Geistesleben ist das Buch, daß ich eigentlich gesucht habe. Ich hoffte eine Quellenangabe zu finden, über ein Buch mit dem Titel:“ Sind Frauen Menschen?“ Es ist um 1900 herum erschienen.

 

1900 war ungefähr das Geburtsjahr meiner Großmutter mütterlicherseits. Sie geht in diesem Buch aucf ein Staement Rudolf Steiners ein, in dem er sagt: Frauen müssen sich ihre eigenen Lehrinnen suchen und generell eigene Wege gehen. Männerliche Vorbilder können das nicht leisten! Man kann ihm ja einiges vorwerfen, seine Methodik für den geistigen Schulungsweg ist wunderbar. Sofern Menschen ihn als das verstehen, als dass er gemeint ist. Denn dass was darüber gesagt wird, hat nich tunbeingt was mit Antroposophie zu tun.

 

Aber ich bin abgeschweift.

 

Mein Thema: Die AhnInnenlinie mütterlicherseits!

 

Ich fange mal mit meiner Großmutter Johanna an. Viel weiß ich nicht über sie. Ich kenne sie nur aus Erzählungen, da sie 1959 mit knapp über 60 an Leberzirrhose verstorben ist. Kurz nach meiner Geburt. 

 

Sie hat 2 Kriege miterlebt, wurde in Köln ausgebombt und ist mit ihren beiden Töchtern und ihrem Sohn allein nach Bayern geflohen.

 

Sie soll eine sanfte Frau gewesen sein, die das Meer geliebt hat und gern Handarbeiten gemacht und sehr gut gekocht hat.

 

Zeit meines Lebens habe ich das Gefühl, dass sie an meiner Seite ist und ich war immer stolz darauf, dass ihr Vater Holländer war.

 

Sie war keine Alkoholikerin. Ich vermute sie ist an dem Stress gestorben.

 

Ihre ältere Tochter Hannelore, 1926 geboren, war meine Patentante. Sie wollte eigentlich nach Paris und Fremdsprachenkorrespondentin werden, durch Krieg etc. war das nicht möglich und sie wurde Laborantin. Nach einer Krebserkrankung wurde sie berentet und hat bis zu ihrem Tod ca 30 Jahre eine Gruppe für Betroffene Frauen in Freiburg ehrenamtlich geleitet. Dafür wurde sie sogar vom Land Baden-Württemberg geehrt.

 

Sie war glücklich verheiratet mit Johannes. Bei der Haushaltsauflösung habe ich Liebesbriefe gefunden, die sie sich bis zum Tod meines Onkels 1993 geschrieben haben. Meine Tante wurde 80 Jahre alt. Auch sie hatte das Herz auf dem rechten Fleck und hat neben der Gruppe auch gern Handarbeiten gemacht und gekocht. Ich habe u.a. Kochbücher und Bücher über Kräuter und Naturheilkunde von ihr geerbt.

 

Was mich besonderes berührt hat ist, ist das wir lange bevor sie gestorben ist ausführlich über den Tod und ihre Beerdigung gesprochen haben und sie mir genau gesagt hat, wie sie es haben will. Und sie hat es vorbereitet. Als es soweit war, musste ich nicht viel dafür tun, außer eben Gespräche mit dem Beerdigungsunternehmen und dem Pfarrer. Sie wollte aufgebahrt werden und ich habe dort an 3 Tagen an ihrem Sarg gesessen und mit ihr gesprochen. Ein Abschiedsbrief und die Socken, die ich gerade für sie gestrickt habe, konnte ich in den Sarg legen.

 

Es war mir eine Ehre!

 

Dann ihre jüngere Tochter: meine Mutter Ingeborg. Sie war eine durch und durch kreative tatkräftige Frau, die einen grünen Daumen hatte und nicht nur unseren Garten liebvoll gestaltet hat, sondern auch das Haus in dem ich aufgewachsen bin innen.  Sie hat Möbel gebaut, einen Keller ausgebaut und regelmäßig renoviert. Darin ist sie genauso aufgegangen wie für Gäste zu kochen und für sich selbst und auch für mich schöne Kleider zu nähen.

 

Sie hätte gut Innenarchitektin sein können, aber sie hatte keinen weltlichen Beruf und hat für Ihre Arbeit kein Gehalt bekommen.

  

Und sie hatte, wie ich finde, eine Besonderheit, sie wollte nicht streiten. Dafür konnte man mit ihr reden und die Dinge ausdiskutieren. Ich kann mich an etliche Momente erinnern, in denen ich das Gefühl von einer Art innerem Raum mit ihr hatte.

 

Beim Schreiben dieses Textes ist mir klar geworden: ich hatte ca. 20 Jahre eine Privatlehrerin.

 

Es gab auch eine traurige Seite. Nach einigen Versuchen hat sie 1993 selbst ihr Leben beendet.

 

Sie hatten alle eins gemeinsam:

  • Sie haben alle drei Krieg und Flucht erlebt
  • sie waren kreativ mit geschickten Händen
  • sie haben gern gekocht und gebacken
  • sie hatten das Herz auf dem rechten Fleck und auch eine sanfte, weibliche Seite
  • sie haben das Wasser geliebt
  • sie hatten keine Haare auf den Zähnen.

 

Es waren Frauen, die ihre Träume vielleicht nicht alle verwirklichen konnten, aber am Ende ihres Lebens konnten sie sagen: ich habe geliebt.

 

Wann das Wahlrecht eingeführt wurde, wissen wahrscheinlich die meisten, nämlich 1919 in Deutschland, 1971 in der Schweiz auch dass Frauen erst Ende der 60er Jahre ein eigenes Konto eröffnen durften, wissen auch viele.

 

Was ich sagen will: Vieles war nur so möglich, wie es stattgefunden hat und ich möchte mit meinem Post die ehren, die mir vorangegangen sind. Ihre Kraft und ihren Lebenswillen und auch die Liebe, mit der sie ihren Weg gegangen sind.

 

Ohne sie wäre ich nicht da. Höchstwahrscheinlich wäre ich auch nicht die, die ich bin.

 

Nein, es war nicht alles toll……….und - es darf gewesen sein!

 

Ich fühle mich seit jeher mit der weiblichen Linie meiner AhnInnen verbunden, mit ihrer Weiblichkeit, mit ihren Talenten und mit ihrer Sanftmut.

 

Ich bin jetzt die Älteste in dieser Linie!

 

Its my Turn now!

 

#AhnInininnenlinie1 #Frauen1 #Herrin im eigenen Haus1

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