Der Farbkreis


 

Das Verhältnis von Farbe und Licht hat mit schon als Kind fasziniert. Die sich verändernden Lichtverhältnisse an einem Tag und im Jahreslauf oder in unterschiedlichen Landschaften.

Silvia Weyand (Heileurythmie) war die erste, bei der ich Antworten auf die Frage gefunden habe, wie sich die Farbqualitäten auch in uns Menschen wiederfinden.  

In meinem Studium habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt.

Die Grundlage dieses Studiums war Beppe Azzenzas Auseinandersetzung mit Goethes Studien und seiner Herangehensweise sich mit der Farbe als solcher, also unabhängig von der Form zu beschäftigen. Es geht dabei um Freiheit für die Farbe. Und im Weiteren geht es in der Bildgestaltung darum, durch das Verhältnis von Hell/Dunkel-Kontrasten, Linie und Form zu einer Komposition zu finden. Einer meiner wichtigsten Lehrer hat mal zu mir gesagt:" Du brauchst 15 Jahre um das zu verstehen! Und - er hat recht gehabt.

In der Beschäftigung mit J. W. von Goethes Farbkreis tauchen die Fragen nach dem Verhältnis der Farbe im Raum zwischen Licht und Dunkelheit und deren energetische Wirkung auf den Menschen auf.    

J. W. von Goethe hat die Gesetzmäßigkeiten des Farbkreises durch die der Beobachtung der Natur gefunden. Der Kreis ist also ein "Bild" für die Entstehung der Farbe im "Universum" und deren Wirkung.

Denn so sehen wir sie ja meist, gebunden an Gegenstände oder die Natur. Sie haben aber ganz für sich selbst eine energetisch schwingende Wirkung in der Welt und damit auch auf den Menschen.

Die Farben entstehen aus der Begegnung zwischen Gelb und Blau und der Position der Lichtquelle bei Tag und bei Nacht. Von Sonne oder Mond.

Gelb ist die erste Trübungsstufe des reinen Lichtes auf der aktiven Seite, aufsteigend.

Blau die letzte Trübungsstufe der Dunkelheit, auf der passiven Seite, absteigend. Die Entstehung von Rot (Purpur) ist die höchste Steigerung in diesem Prozess. Vor dem Rot liegt das Licht (Weiß), dahinter die Finsternis (Schwarz). Der absteigende Prozess auf der passiven Seite beginnt also bei Purpur und endet bei Blau mit der Begegnung von Gelb. Wir finden also sowohl die Beziehung zum Licht und zur Finsternis - Tag und Nacht, Sonne und Mond, als auch die Beziehung der Farben untereinander bzw. zueinander: komplementär (gegenüberliegend, wie grün und rot) charakteristisch (eine oder mehr Farben dazwischen, wie gelb & rot oder blau & rot) charakterlos (nebeneinander, wie grün & blau oder gelb & orange).

Das Lebendige (Steiner nannte es Pfirsichblüt oder Inkarnat) ensteht ganz natürlich in der Begegnung der Polaritäten.

In der Zeit des Studiums haben wir uns unter der Leitung von Anett Plocher mit Farbeurythmie beschäftigt und den Farbkreis öffentlich performt.

Das heißt, wir haben uns der Farbe von innen her genähert und erforscht, wie es sich anfühlt z.B. Gelb oder Blau zu sein und sich Gelb oder Blau zu bewegen. Das Erleben der Farbe in dieser Weise führt also zu einer Schulung des Gefühlslebens.

Für meine eigene Arbeit in der Malerei dient mir als Anregung für die Auseinandersetzung mit der Farbe das Experimentieren mit unterschiedlichen Malgründen und Materialien.

Durch das Gestalten farbiger Flächen, hinzukommender Gesten und Linien, entstehen auf der Fläche Ebenen, die in Harmonie oder in Spannung zu einander stehen. Die Komposition dieser Ebenen kann sich im Gegenstandslosen bewegen oder zum Motiv gestalten. Dabei füge ich mich dem Schaffensprozess und lasse eine entspannte Geisteshaltung, ich könnte es auch Liebe nennen, meine Hand führen.”     

Durch das Zusammenspiel von Farbe und Komposition entsteht ein Kraftfeld, das eine eigene Wirkung auf den Betrachter hat und von den Gesetzmäßigkeiten der Farbenlehre getragen ist. Es ist nicht mein Ziel etwas Gesehenes "abzubilden". 

Ich möchte dem Betrachter Freude - in welcher Facette entscheidet Er/Sie selbst - schenken. Und - ich bin eine Frau der leisen Töne.                                                                   

Die Erfahrung von Kraftfeldern lässt sich auch meditativ erschließen und fließt immer in meine Arbeit ein.